Fotografie mit Sehbeeinträchtigten

ein Projekt mit den Hannoversche Werkstätten

Fotografie mit Sehbeeinträchtigten

Können stark sehbeeinträchtigte Menschen fotografieren?

… genau diese Frage habe ich mir vor ein paar Monaten gestellt, nach dem ich das Telefonat mit den Hannoversche Werkstätten beendet hatte. Wie stellen wir uns das vor: ein Mensch der so gut wie nichts sehen kann – hinter einer Kamera? Kann ein Mensch mit einer Sehbehinderung überhaupt noch etwas erkennen oder ist alles um ihn herum dunkel? Und wie soll ich es umsetzen mit stark sehbeeinträchtigen Menschen zu fotografieren und etwas über die Fotografie zu erklären….

In den Hannoversche Werkstätten in Kirchrode arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen in handwerklichen und künstlerischen Tätigkeiten. So fertigt eine Gruppe von Mitarbeitern, große Schnecken aus Modelliermasse, die anschließend liebevoll bemalt werden. Schnecken? Tja, so richtig konnte ich mir darunter nichts vorstellen… Vor allem stellte sich mir immer wieder die Frage, wie Menschen mit einer Sehbehinderung, die lediglich über einen Sehrest von 2-10% verfügen, etwas handwerkliches Fertigen können, detailreiche Arbeiten erledigen die ein nicht unerhebliches Maß an Filigranität benötigen und zu dem man für mein Vorstellungsvermögen auch „genau hingucken“ muss… Ich denke, dass dieser Gedanke auch anderen schwer fällt.

Was ist nun meine Aufgabe…? Von diesen gefertigten Schnecken soll im Rahmen eines Projektes ein Fotokalender erstellt werden. Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern der Werkstätten werden dafür 13 Motive erarbeiten und sollen diese selbständig fotografieren. Klingt super und für mich total spannend, da es eine -für mich- sehr außergewöhnliche Arbeit darstellt.

Bei einem gemeinsamen Treffen lerne ich die Teilnehmer kennen und wir schauen uns die ersten Bildergebnisse an. Ich war beeindruckt über die entstandenen Ideen und die bisherige Umsetzung. Die Gruppe selbst hatte die Ergebnisse noch gar nicht „gesehen“… Darf man das an dieser Stelle eigentlich so sagen? Ja, man darf! Das weiß auch ich jetzt, denn viele Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung verfügen über einen Sehrest. Sie können Farbunterschiede und Kontraste wahrnehmen, was beim Fotografiern sehr hilfreich ist.

Ich erzähle also etwas über Fotografie und erkläre den Teilnehmern nach den ersten eigenen Fotoversuchen, was sie im Bezug auf Bildschnitt und Fokussierung verbessern können. Um das Thema zu verdeutlichen schnappen wir uns die Kameras, eine rote Schnecke und setzen diese auf eine grüne Wiese. Genug Kontrast hoffe ich… 😉 Ein paar Versuche und es entstehen wirklich wunderbare Aufnahmen aus unterschiedlichsten Perspektiven.

In den folgenden Wochen erarbeitet die Gruppe die einzelnen Kalendermotive, die mir dann zur weiteren Bearbeitung übermittelt werden. Ich öffne die E-Mail und mir springen bunte Schnecken in unterschiedlichsten Motiven entgegen. 🙂 Ich bin begeistert von der Arbeit und der Umsetzung meiner Erläuterungen. Es sind 13 bunte Schneckenbilder entstanden, die in einem schönen Postkartenkalender für das Jahr 2017 auch auf meinem Schreibtisch einen Platz finden werden.

Hier ein paar Eindrücke und eine kleine Vorschau…

 schneckenprojekt

Hast du Interesse selbst einen Kalender zu erwerben? Dann hol dir einen! Die Verkaufsstellen der Hannoversche Werkstätten gem. GmbH findest du hier:

Allerlei-Schöne Dinge, Schaperplatz 1, 30625 Hannover

Einrichtung Kirchrode, Kühnsstraße 18, 30559 Hannover

Café anna Leine (Volkshochschule Hannover), Am Hohen Ufer 3, 30159 Hannover

Rethener Genusswerk, Zur Sehlwiese 3, 30880 Laatzen

 

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